Happy Birthday, Oma!

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Liebe Oma,

da ich weiss, dass du jeden morgen sämtliche catscosmos-Kanäle auf Neuigkeiten überprüfst, dachte ich, dass dich ein Online-Geburtstagsgruß auf diesem Weg am schnellsten und effizientesten erreichen wird. Heute ist dein Geburtstag, blutjunge 70 Jahre bist du nun! Ich wünsch dir von Herzen alles, alles Gute und Liebe, viel Gesundheit, stressfreie Tage und ein paar schöne Geschenke! Was ist für heute geplant? Bekommst du Besuch? Welchen Kuchen hast du gebacken? Und warst du wie immer kurz vorher beim Friseur?

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Leider kann ich diesem Jahr nicht bei dir sein und werde vermutlich ein gigantisches Geburtstagsessen verpassen. Dieses Jahr gibt es keine schicke Bluse, keine Pralinen und keine Vanillekerzen, die du dir sonst immer so gerne zum Geburtstag gewünscht hast. Dieses Jahr gibt es einen Blumenstrauß von meinem geheimen Spitzel und ein paar Gedanken meinerseits über dich, mich und unsere vergangenen Jahren.

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Einige Blogleser werden sich jetzt bestimmt wundern, wie eine 70-Jährige Oma so fit in punkto Internet und neumodischer Technik sein kann. Ich weiß nicht mehr genau, wann du angefangen hast, dich für all diese Sachen zu begeistern. Ich glaube, es war das Handy, das wir dir damals geschenkt haben, als ich noch zur Schule gegangen bin. Zunächst war die Verwirrung groß, gerne lag das Handy wochenlang im Schub, nicht sicher, ob es jemals benutzt wird. Doch dann habt ihr euch angefreundet. Ich weiß noch genau, als ich in der 10. Klasse war und alle heimlich unter den Tischen in die Tasten gehauen haben. Selbstverständlich war auch ich eine von dieser Sorte, und wenn ich nicht gerade mit irgendwelchen Leuten Nachmittagaktivitäten geplant habe, dann habe ich auf deine SMS geantwortet. „Hallo Cathrin, heute Schulschluss um 13:00 Uhr? 2 Möglichkeiten: Entweder Fisch paniert mit Bratkartoffeln, Röstzwiebeln und Milchgurke oder lieber Haschee und Nudeln? Danach gibt’s einen Pudding. Sag Bescheid! Gruß, Oma!“ Oft wurde neben mir nur fassungslos mit dem Kopf geschüttelt, niemand konnte es begreifen, dass ich mit meiner Oma hin- und herschreibe. Heute bist du noch einen Ticken fitter. Zu meinem Geburtstag letzte Woche warst du die erste, frühmorgens um 03:30 Uhr habe ich die ersten Grüße bekommen. Via E-Mail, versteht sich ja dann wohl von selbst. Du warst eine der Wenigen, die das mit der Zeitverschiebung von 12 Stunden exakt hinbekommen hat. Vermutlich hast du das zuvor gegoogelt. Auch an Weihnachten musste ich schmunzeln. Ich war in Laos und euch somit 6 Stunden voraus, mein Abend hat sich so langsam dem Ende geneigt, vorm zu Bett gehen habe ich über meinen Facebook-Account noch ein „Merry-X-Mas-Gruppen-Foto“ gepostet. Mir scheint, als hättest du den ganzen Tag auf so einen Gruß gewartet, wahrscheinlich standest du schon um 7 Uhr mit scharrenden Füßen vor deinem Computer! Was hast du gemacht? Mit einem flotten Rechtsklick das Bild aus meinem Account gezogen und via Bluetooth an deinen neuen Farbdrucker gesendet, um das Foto am Abend beim jährlichen Familien-Weihnachtessen mitten auf den Tisch zu klatschen.

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Wunderbar! Außerdem weiss ich, dass du alle Bilder, die ich in meinem Blog hochlade, downloadest und bunkerst. Vermutlich auf dem Desktop, ein Horror für jeden IT-Menschen. Aber keine Sorge, das ist kein Vorwurf, ich speicher auch ausschließlich auf dem Desktop! Recht viel mehr Computerwissen solltest du dir jetzt nicht mehr aneignen, sonst überholst du mich und das wär irgendwie komisch! Nur eine Sache fände ich persönlich gigantisch: Wie bei unserem letzten Skype-Telefonat bereits besprochen, würde dir ein eigener Facebook-Account verdammt gut stehen! Nenn dich einfach Oma und fang an, meine Facebook- und Blogbeiträge zu kommentieren. Ich sags dir, ich wär stolz wie Bolle!

Nun noch ein paar Takte zum Thema Reise. Ich glaube, der Tag, an dem ich dir erzählt habe, dass ich ab September vorerst keinen Job mehr habe, war kein Guter für dich. Weniger wegen der Arbeitslosigkeit, viel mehr, weil du wahrscheinlich wusstest, was jetzt kommt. Das wussten wir doch alle, oder? War ja klar, dass ich irgendwann eine Weltreise mache, bin schon seit einigen Jahren fleißig am Üben. Irgendwer hat mir mal ein Bild geschickt, da musste ich beinahe ein wenig schmunzeln.

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Glaubst du wirklich, ich umsegle die 7 Weltmeere auf einem goldenen Schiff? Eigentlich denk ich das nicht, aber falls dem doch so ist: Don´t worry, ich nutze primär Flugzeuge, Fähren, Speedboote, Mietwagen und Busse! Nur heute hatten wir einen Spezialfall, der kommt aber erst in meinem nächsten Blogpost, wir wollen ja nicht dass du an deinem Geburtstag vom Stuhl kippst!.

Kannst du dir vorstellen, dass ich jetzt schon seit 5 Monaten durch die Gegend fliege? Mir kommt das alles viel kürzer vor, was vermutlich ein verdammt gutes Zeichen ist. Asien war eine geile Zeit, oft musste ich an dich denken. Das soll jetzt nicht unverschämt klingen, aber meistens waren es diese Momente, wenn ich meine frische Wäsche aus der Laundry abgeholt habe und wieder 2 Löcher mehr pro Oberteil zu verzeichnen hatte. Keine Ahnung, was die da mit der Wäsche treiben, mir kommt es so vor, als würden sie alles mutwillig zerstören. Da dachte ich des Öfteren an dich und dein Nähkästchen, in dem du bestimmt einen schicken Sticker versteckt hast, den du über neue Löcher nähen könntest. Ich werde den Großteil meiner Klamotten am Ende meiner Reise spenden und verschenken, nur das löchrige Maison&Scotch Shirt bringe ich wieder mit Heim, da wirst du wohl oder über mal drüber gehen müssen. Und kennst du das, wenn man aus Hosen mit Gummizug aus Versehen die zusätzliche Schnur rauszieht?

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Klar kennst du das und ja, ich weiss, eigentlich kann man das mit einer Sicherheitsnadel regeln. Willst du wissen, wie ich das Drama gelöst habe?

Mülleimer auf – Schnur rein – Deckel zu – Fertig.

Gott sei Dank habe ich sämtliche Kosten und Mühen gescheut, eine Woche später hab ich die Hose nämlich sowieso auf dem Festival versoffen. Hoppla.

Ja, solche Dinge managst du in der Regel für mich, wofür ich sehr dankbar bin. Nur einmal hast du dir einen echten Knaller geleistet. Kannst du dich noch an meine 150 Mark Miss-Sixty Hose erinnern, die mit den vielen Löchern drin? Ich hab dir die Hose damals gegeben, da mein Körper zu Pubertätszeiten die wildesten Formationen hingelegt hat, so wuchsen die Arme schneller als die Beine und ich bin immer mit den Schuhen auf das Hosenende getreten, bis alles komplett durchgerissen war. Ich hab dir die Hose damals gegeben, damit du den unteren Rand wieder befestigst. Und was hast du gemacht? Du hast ALLE Löcher zugenäht, auch die mutwillig vorgesehenen an Oberschenkel und Schienbein!

Oma, das hat so gehört! Diese Hose war absolut hip! Ich war erbost!

Aber naja, shit happens. Wahrscheinlich war das sogar ein ganz kluger Schachzug von dir, in der 7. Klasse mit völlig zerissenen Jeans in der Schule rumzurennen war im Nachhinein wahrscheinlich gar nicht sooo angesagt.

So. Jetzt bin ich gerade ein bisschen überfordert, da ich eigentlich noch meine ersten 2 Wochen in Neuseeland beschreiben wollte, das würde den herkömmlichen Blogpostrahmen aber sprengen und die ganze Geschichte unleserlich machen. Die nächste Travelstorie gibt’s Mitte der Woche, dann hast du wieder was zu lachen. Um ein bisschen Vorfreude zu erzeugen präsentiere ich dir folgende Schlagwörter, in der Hoffnung, dass es dir nicht den Geburtstag versaut:

Sextoy-Afton – Blind-Dates – Arsch verbrannt – Kein Sandboarden für Schwangere – Hitchhiken – Hühnchen jagen.

Bist du jetzt aufgeregt? Vermutlich schon 🙂

Liebe Oma, ich hoffe du freust dich über diesen Blogpost und nimmst es mir nicht allzu übel, dass ich ausgerechnet an deinem 70. Geburtstag nicht da bin. Ich wünsch dir einen wunderschönen Tag, viele Gratulanten und dass all deine Wünsche in Erfüllung gehen!

Liebe Grüße vom Arsch der Welt (Rotorua) an den Arsch der Welt (Erkersreuth)

Fühl dich gedrückt!

Deine Enkeltochter

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