Kuta – Ballermann 2.0

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Einer kifft, zwei knutschen, eine heult und einer blutet. Fast wie Daheim. Aber nein, ich bin nicht mehr Daheim – Willkommen in Kuta! Keine Sorge, die beschriebenen 5 Personen waren nicht wir – aber es war tatsächlich das erste Bild, das mir in der Partymeile „Poppies Lane“ in den Sinn gekommen ist.

Aber nun langsam von vorne.

Nach insgesamt 30 Stunden von Tür zu Tür habe ich es geschafft und bin nach einer Reise um die halbe Welt erschöpft, aber mega glücklich auf Bali angekommen. Eigentlich dachte ich, dass ich an meinem ersten Abend völlig fertig ins Bett falle, in Ruhe in meinem Reiseführer blättere und zeitig schlafen gehe. Die Idee an sich war ja ganz nett, in Kuta aber quasi nicht umsetzbar.

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Nachdem ich bereits im Flieger von Abu Dhabi zwei sauwitzige Kerle aufgrund ihres Fusion-Festival-Armbändchens angequatscht habe, sollte sich die Gruppe in meinem vorab gebuchten Hostel innerhalb kürzester Zeit auf 7 Personen erweitern – und so wurde direkt im Kollektiv beschlossen, dass man die Ankunft in Bali ja doch irgendwie nett begießen sollte. Also hat es sich ergeben, dass jeder eine Runde Bintang, das klassische indonesische Bier, für alle schmeißt – dass dieser Abend derb eskaliert ist, muss ich an der Stelle dann wohl nicht mehr erwähnen. Gefühlte 10.000 feierwütige, besoffene Australier torkeln hier von Club zu Club und versuchen mit aller Gewalt, so viele Weibchen wie nur möglich klar zu machen.

Where are you from? Germany!

Would you mind if I kiss you? Tolle Wurst. Und gar so diskret. Nein Danke.

Neben den unzähligen Surferboys hatte ich außerdem den Eindruck, dass sich halb Deutschland hier auf Bali versammelt. Und so wurden aus 7 Personen 12 und nach 3 Clubs, 5 mal auf die Box gezerrt werden und ein paar Schnäpschen ging der erste Abend dann doch bis früh um 4. Fängt ja gut an. Dass es mir am nächsten Morgen gar nicht mal so gut ging, könnt ihr euch denken. Aber immerhin konnte ich so den Jetlag raffiniert umgehen. Gleich beim Frühstück musste ich mich von meinen neuen deutschen Freunden als elendigen Lappen beschimpfen lassen , weil ich beim Absacker im Hostel ein wenig abgekackt habe und einfach eingeschlafen bin. Unhöflich ist das. Egal. Gemeinsam haben wir dann überlegt, was man mit dem halb verschlafenen Tag Schönes anstellen könnte.

Eine Rollerfahrt ist lustig, eine Rollerfahrt ist schön…

Ok. Erster offizieller Tag auf Bali. Was kann man tun? Eigentlich alles. Wer auf die beschissene Idee gekommen ist weiß ich nicht mehr. Aber ich wusste von Anfang an, dass das gewaltig in die Hose gehen könnte. Der Plan lautete so: Wir mieten einen Roller und fahren nach Uluwatu, chillen am Strand und geben uns am Abend den angepriesenen schönsten Sonnenuntergang Balis. Das mit dem Roller fand ich unvernünftig. Jeden Tag gibt es 8 Verkehrstote auf Bali! Nach kurzem Hin- und Herdiskutieren habe ich dann aber doch zugestimmt. Da ich einen internationalen Führerschein besitze und das Fahren ohne Diesen mit 150.000 indonesischer Rupiah (10 Euro) bestraft wird, war sofort klar, dass ich fahre und noch jemanden mitnehme. Nach meiner Probefahrt – Straße rauf und wieder runter – war klar, dass ich auf gar keinen Fall fahre und diese Aufgabe lieber dem 21-jährigen Jungspund Christoph überlasse – wir haben uns darauf geeinigt, im Falle des Falles die Geldstrafe zu teilen. Der Verkehr in Kuta ist absolut abartig. Linksverkehr, falls da kein Platz ist entscheiden sich die Balinesen spontan für Rechtsverkehr, wer vorbei will hupt und wenn das nicht klappt, wird man einfach so lange von der Seite mit dem Finger gepiesackt, bis man Platz macht.

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Meine Güte, hatte ich Angst! Mittels Teamwork war es aber doch irgendwie machbar – er fährt, ich halte kontinuirlich den Kopf nach hinten, schreie nach vorne, ob er den geisteskranken Rollerfahrern hinter uns lieber links oder rechts ausweichen soll. Nach ungefähr 20 Minuten, einer Nahtoderfahrung und gefühlten 5 Schweißausbrüchen wurde die Situation endlich entspannter und wir konnten gemütlich den idyllischen Küstenweg bis Uluwatu in Angriff nehmen.

Hurra!

Batz. Reifen geplatzt. Herrschaftszeiten! Wär ich doch nur im Hostel geblieben. War aber alles nicht so schlimm, hier lungert an jeder Ecke irgendjemand rum, der eine private Hinterhofwerkstatt hat und schnell Abhilfe schaffen kann. Nach 20 Minuten war die Sache erledigt und nach weiteren 10 sind wir endlich am ersten, eigentlich wunderschönen Strand in Uluwatu angekommen. Fast angekommen, der Roller musste nämlich für eine Gebühr (klar, was sonst) irgendwo ab vom Schuss geparkt werden. Noch kurz über die Felsen klettern und dann sollten wir eigentlich am Strand liegen und rumplantschen. Wie ich mich gefreut hab! Wie eine kleine Gazelle bin ich freudig erregt losgesprungen.

Meer! Meer! Meer!

Na toll. Ebbe. Aber fantastisch hat es trotzdem ausgesehen.

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Mit aller Gewalt habe ich versucht, den spitzen Korallen und was da noch alles so rumliegt, zu trotzen und bin einen halben Kilometer Richtung tiefes Wasser gelaufen – mit dem Resultat, dass meine Füße schon am ersten Tag halb aufgeschnitten waren. Prima. Die Masseuse, die glücklicherweise am Strand auf- und abgelaufen ist, ist mir deshalb in diesem Moment ganz recht gekommen und so habe ich mich dazu entschlossen, mich nach den Strapazen der letzten Stunden mal ordentlich durchkneten zu lassen – Hammer! Für 50000 IRP (3,50 Euro ) hat die nette alte Frau so lange auf sämtlichen Knubbeln meines geschundenen Körpers rumgedrückt, bis wirklich alles butterweich war. Erfahrungsgemäß krieg ich nach so einer Aktion am nächsten Tag vor lauter Entspannung sofort einen Migräneanfall, aber der blieb Gott sei Dank aus! Toll war das! Für die Augen gabs auch noch was, und zwar das hier:

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Falls ich irgendwann mal heirate, will ich auch mit einem weißen Kleid am Strand stehen und so ein abgefahrenes Bild abgeben. Die hatte Flip Flops unter ihrem Kleid! Wahnsinnig cool! Nach einem Käffchen am Strand gings dann noch einen Strand weiter, um dort den berühmt berüchtigten Sonnenuntergang anzuschauen – und das war echt schön! Hier tummeln sich ein paar Surferboys, manche gammeln einfach nur am Strand und andere stürzen sich in die Fluten. Mir hat es da mega gefallen. Mal sehen, vielleicht mach ich auch noch einen Surfkurs.

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Nach einem geilen Abendessen gings dann zurück nach Kuta. In diesem Moment habe ich echt gedacht, mir hat jemand ins Gehirn geschissen. Katastrophenfahrt Hinwärts und Heimwärts dann im Dunkeln.

Nachdenken, Cat, nachdenken!

Naja, geschafft haben wir´s, und ja , es war noch schlimmer als die erste Fahrt – zumal wir auch noch die Orientierung verloren und 2 Stunden bis zum Hostel gebraucht haben. Über diese Fahrt könnte ich nen extra Blogpost schreiben, dazu habe ich aber jetzt keine Lust. Nach einem abartig scharfen Essen am Nachtmarkt, das mich fast ein wenig in die Knie gezwungen hat (es tropfte aus jedem Loch und alle Einheimischen haben kichernd mit dem Finger auf mich gezeigt), ging der 2. Tag in Kuta bei einem gemütlichen Bierchen in Grannys Hostel zu Ende. Jedem war es hier zu stressig. Obwohl ich eigentlich schon ein paar Tage hier bleiben wollte, fand ich die Idee meiner lustigen Reisegruppe ganz nett und habe mich dazu entschlossen , direkt mit auf die Gili Islands zu fahren. Jetzt wird es endlich ruhig, dachte ich. Aber ich sollte mich gewaltig getäuscht haben.

Mehr dazu beim nächsten Mal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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