Neulich nachts auf dem Vulkan – Mount Batur

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Schon als wir die Tour gebucht haben, war mir irgendwie klar, dass sowas eigentlich nichts für mich ist. Nachts um 2 aufstehen (oder noch halb wach sein) , 2 Stunden Fahrt, im Dunkeln einen riesengroßen Vulkan hochklettern, in einen Krater glotzen, wieder runter laufen, auf dem Rückweg völlig übermüdet eine Kaffeeplantage und ein paar Reisterrassen besichtigen und dann um 11 wieder im Hostel ankommen.

Hmm.

Bei ausreichendem Verhandlungsgeschick ist man für knappe 20 Euro bei der ganzen Sause dabei. Mount Batur hieß unser Freund der Nacht, ist 1717 Meter hoch, 20.150 Jahre alt und eigentlich ziemlich aktiv. Ziemlich aktiv heißt, dass durchaus die Möglichkeit besteht, von einer Lavaschwemme wegspült zu werden. Da das aber zum letzen Mal 1963 passiert ist, habe ich den Gedanken einfach verdrängt –das wäre ja auch ein saublöder Zufall gewesen, wenn er jetzt noch mal hochgeht.

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Da es für mich ja schon irgendwie eine Besonderheit war und ich sowas noch nie gemacht habe (und so schnell vermutlich auch nicht mehr machen werde), habe ich das Ganze dokumentiert. Und es war, wie immer, ein bisschen speziell. Wäre ja auch langweilig gewesen, wenn es währenddessen keine besonderen Vorkommnisse gegeben hätte.

Here you are:

01:58 Uhr: Mein Wecker klingelt. Just vor 20 Minuten habe ich meine Tiefschlafphase eingeleitet und bin somit auch dementsprechend verballert. Einmal Schlummertaste geht auf jeden Fall, auch mitten in der Nacht. Ich bin unfassbar müde und empfinde die Vulkan-Idee als superdämlich. Noch mal schnell die Augen zumachen.

02:04 Uhr: Irgendwas raschelt. Mit einem halb offenen Auge versuche ich das Geräusch zu lokalisieren. Nix.

02:05 Uhr: Eine dunkle Gestalt steht in meinem Türrahmen und schaut auf mein Bett. „Hello Miss Cathrin, ready for action?“ Mit einem für diese Uhrzeit unangemessenen Puls katapultiere ich mich aus dem Bett und laufe völlig durcheinander und verschreckt durch mein Zimmer. Eigentlich dachte ich, ich werde vor dem Hostel abgeholt, nicht in meinem Zimmer. Jetzt bin ich wach.

02:31 Uhr: Für indonesische Verhältnisse geht es superpünktlich los. Wir sammeln Laura auf halben Weg auf, die Gott sei Dank genau so verschallert ist wie ich und ein paar mal an unserem Treffpunkt vorbei gelaufen ist, weil sie die Orientierung verloren hat. Thats why I like her. Kurz darauf steigen 2 weitere Mädels ein. Zuvor bittet uns unser Fahrer, nicht über das Thema Geld zu sprechen. Es wäre ja vollkommen egal, wer nun wieviel für diese Tour bezahlt hat. Das werde ich später prüfen!

03:50 Uhr: Wir kommen in Penelokan am untersten Punkt des Vulkans an. Mein Guide gibt mir eine Taschenlampe, da ich meine im Hostel vergessen habe. Das wäre das Einzige gewesen, was wirklich wichtig gewesen wäre. Naja.

04:00 Uhr: Los geht’s. Wir bummeln gemütlich Richtung Vulkan. Ich dachte eigentlich, das wäre anstrengend. Geht aber nur gerade aus. Pille Palle!

04:15 Uhr: Ich bin fix und fertig. Die Steigung hat sich maximal erhöht, die ersten Steine rollen mir entgegen und das gemütliche Laufen mit Klatsch und Tratsch hat sich in eine kletterähnliche Aktion verwandelt.

04:20 Uhr: Selfie-Time!

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04:50 Uhr: Ich schaffe das! Die erste Frau aus der Kolonne vor uns wird farblos von zwei Guides abtransportiert. Sie übergibt sich direkt neben meinen ultimativen High-End-Wanderschuhen (Converse Chucks). Für sie ist der Ausflug dann wohl vorzeitig beendet.

05:10 Uhr: Ich schnappe irgendwo hinter mir das Wort Snake auf, lege einen Zahn zu und versuche, die plötzlich eintretende Schnappatmung in den Griff zu bekommen. Ich habe panische Angst vor Schlangen! Der Typ hinter mir tritt mir währenddessen zum 4. Mal auf die Füße. Ich strafe ihn mit dem Todesblick.

05:11 Uhr: Er regt sich in seiner spanischen Muttersprache fürchterlich über mich auf und lacht mich aus. Seit 7 Jahren lerne ich nun spanisch. Ich verstehe jedes Wort und stelle ihm unauffällig im Dunkeln ein Bein – schon ist der Käse gegessen. Never mess with the angry Cat!

05:20 Uhr: Ich schaue auf meine Uhr und errechne mir, dass wir laut Planung eigentlich in 10 Minuten oben sein müssten. „Miss, only one and a half hour left“. Hä? Oh nein. Der Guide entpuppt sich als Spaßvogel und gibt zu, einen Good-Morning-Joke gemacht zu haben. Scherzkeks. Ich kann mich kaum noch halten vor Lachen.

05:30 Uhr: Wir sind oben! Eine Eiswand von ca. 19 Grad schlägt mir entgegen. Ich bin in meinen Gedanken bei meinen besten Freundinnen, die mir ein McKinley Funktionsjacke mit auf die Reise gegeben haben. Danke Mädels!

06:10 Uhr: Pünktlich zum Sonnenaufgang schiebt sich eine dicke Wolkendecke über die Berge, direkt vor die Sonne. Zum ersten Mal Wolken, seit ich auf Bali bin. Warum auch nicht.

06:20 Uhr: Die Sicht verbessert sich und ich bin fassungslos. Hier entsteht mein Pic des Monats. Von hier aus kann man genau auf den gegenüberliegenden Mount Agung blicken.

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07:00 Uhr: Wir bekommen Frühstück, stärken uns und entfernen uns von dem fabelhaften Ausblick. Jetzt dürfen wir in den Krater glotzen. Ziemlich unspektakulär. Ich dachte eigentlich, man sieht da was Anderes. Ich verrate aber nicht, was ich erwartet habe, das ist nur wieder peinlich. Um uns rum qualmt es überall. Gruselig!

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07:10 Uhr: Mein Guide weist mich zurecht, ich möge doch bitte nicht an dem Kraterrand rumturnen, da unter seiner Aufsicht schon 3 Personen hineingefallen sind und sofort tot waren. Ich bin eingeschüchtert und entferne mich.

07:15 Uhr: Wir dürfen unsere Hand in ein Loch stecken, um zu fühlen, wie toll sich die heiße Luft anfühlt, die aus dem Vulkaninneren kommt. Schon irgendwie beeindruckend!

07:16 Uhr: Hand verbrannt!

07:30 Uhr: Rückweg. Sieht aus wie in der Schweiz! Es wird wieder gemütlicher und ich finde endlich Zeit, dieser Geldfrage nachzugehen. Die Mädels haben pro Person 60 Euro gezahlt, wir jeweils 20. Interessant.

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08:00 Uhr: Ich bezwinge die letzten Meter zusammen mit unserem Guide und führe Small Talk. 23 Jahre ist er, macht das hauptberuflich und hat mit viel Glück 2 Tage im Monat frei. Die anderen 28 Tage macht er immer und immer wieder die gleiche, anstrengende Tour. Wahnsinn! Ich schäme mich, dass ich am Anfang gejammert habe.

08:30 Uhr: Wir steigen fix und fertig ins Auto ein. Niemand spricht mehr. Kaffeeplantagen und Reisfelder fallen aus, die würden nicht auf dem Weg liegen. Eigentlich hatten wir dafür bezahlt, was mir in diesem Moment aber herzlich egal ist, ich habe nämlich eh keine Lust mehr auf irgendwas und bin knatschig.

10:30 Uhr: Wir sind wieder beim Hostel. Ich fülle die Reserven mit einem riesengroßen Teller Fleisch und Reis auf und schleppe mich nach oben in mein Zimmer.

11 Uhr: Ich schaffe es nicht mehr mich auszuziehen, wuchte mich auf mein Bett und schlafe noch während dem Fall ein.

OVER AND OUT

6 Comments

  • Nika sagt:

    Also mich würde ja wahnsinnig interessieren, wie du dir den Krater vorher vorgestellt hast;-)
    Grüße aus dem sonnigen Nürnberg,
    Dominika

  • Natalie sagt:

    „Ich schnappe irgendwo hinter mir das Wort Snake auf, lege einen Zahn zu und versuche, die plötzlich eintretende Schnappatmung in den Griff zu bekommen“ – herrlich

  • Anonymous sagt:

    Habe vor ein paar Tagen genau das selbe gemacht, ebenfalls mit Chucks, leider mit weißen, jetzt sind sie grau :p hat mir sehr gut gefallen, leider war es aber eine ziemliche Massenabfertigung, der Berg war von unten bis oben mit einer Menschenschlange ohne Lücke. War das bei dir auch so?

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