Von bösen Taxifahrern und ungeplanten Ausflügen

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Es war einmal eine 27-jährige Frau, die ihren Rucksack packte, um fortan ein wenig durch die Weltgeschichte zu ziehen. Geben wir ihr an dieser Stelle den ausgefallenen Fantasienamen Cat. Sie hatte gleich zu Beginn ihrer Reise eine wahrlich zauberhafte Zeit auf Bali. 4 Wochen lang reiste sie nur mit lustigen Leuten durch die Gegend, war Surfen, Schnorcheln, Chillen und Feiern, ist auf Vulkane hochgeklettert, hat mit ihrem Roller umliegende Inseln erkundet und erfreute sich des Lebens.

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Doch eines Tages war es an der Zeit, das touristische Bali zu verlassen und noch ein bisschen tiefer in das geheimnisvolle Indonesien vorzudringen. So entschied sie sich spontan, einen Flug nach Sumatra zu buchen – und musste zum ersten Mal all ihre Bekanntschaften hinter sich lassen und alleine losziehen. Ob das gut geht? Ob sie sich ganz alleine fürchten wird? Ob sie dort einsam sein wird? Das waren die Fragen, die sie sich kurz vor ihrer Abreise stellte. Sie hatte sich im Internet schlau gemacht und wusste schon , dass sie in Sumatras Hauptstadt Medan gut auf sich Acht geben muss. Von bösen Taxifahrern und Dieben war hier die Rede, von Rollerfahrern, die Scheiben einschlagen und Wertsachen klauen. So war sie vernünftig und buchte bereits für den ersten Tag eine Unterkunft und bat die Rezeptionistin, ihr einen Fahrer zum Flughafen zu schicken. Schon im Flugzeug war ihr ein wenig mulmig, da sie in der völlig überfüllten Maschine die einzige Weiße war – und auch noch die einzige Frau. Das war ihr beinahe unangenehm.

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Und als sie endlich am Flughafen ankam, wurde es nicht besser. Sie wurde angeschaut, als wäre sie ein exotisches Fabelwesen von einem anderen Stern und genoss mit ihrem blonden Haar die Aufmerksamkeit aller Einheimischen. Von Taxiangeboten wurde sie geradezu überhäuft, und alle kamen ihr freundlich entgegen – nur der vorab bestellte Fahrer, der war nicht anwesend. Sie wollte nicht unhöflich sein, machte sich deshalb auf die Suche und hatte Erfolg. Leider gehörte ihr bestellter Fahrer nicht zu der Kategorie freundlich und zuvorkommend, hatte außerdem das auszuweisende Namensschild vergessen, wusste nicht in welches Hostel es gehen sollte und machte einen furchtbar unseriösen Eindruck. Auch das äußere Erscheinungsbild gab ihr zu denken, und als sie ihn freundlich und distanziert wegschickte, humpelte der schielende alte Mann mit seinem zerissenen Hemd davon und war wütend. Jedoch bekam sie dann einen Anruf von der Hotelangestellten und wurde darauf hingewiesen, dass dieser alte Mann doch tatsächlich der von ihr organisierte Fahrer war. Cat hatte ein schlechtes Gewissen und wollte es sich mit der Frau vom Hostel nicht verscheissen, so stieg sie in das einzige abgefuckte Auto und ließ sich bis in die Stadt fahren. Die Fahrt war nicht gut, dennoch kam sie irgendwann unversehrt im Hostel an und weil ihr die Stadt ohnehin nicht gefiel, entschloss sie sich, der Sicherheit wegen, einen Abend in ihrem Zimmer zu verbringen. Aber das Zimmer roch. Sie war sich sicher, es müsse ein totes Tier unter ihrem Bett liegen, was sie aber nach eingehender Prüfung revidieren konnte. Sie war sich auch sicher, dass die Autoren ihres Reiseführers stark alkoholisiert waren, als sie dieses Hostel als Tipp empfohlen haben.

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So lungerte sie einen Abend im Hostelrestaurant herum und sehnte sich den nächsten Tag herbei, an dem sie sofort weiter zum Lake Toba ins Landesinnere ziehen wollte. Der See befand sich in einem erloschenen Vulkan, und auf diesem See gab es die Insel Samosir, und da wollte sie hin. Cat hatte extra einen Touristenbus gebucht, der war zwar etwas teuerer, aber so konnte sie sich sicher sein, dass sie die Anreise zum See mit Gleichgesinnten überwinden würde.

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Doch auch hier hatte sie sich wieder getäuscht – auf der 4-stündigen Fahrt war sie zusammengepfercht mit 8 einheimischen Männern im Bus und zweifelte langsam aber sicher, ob denn diese Sumatra-Idee überhaupt gut war. Auf der Überfahrt zum See fand sie endlich andere Touristen und vor lauter Freude kam sie aus dem Redefluss überhaupt nicht mehr raus. Gleich für den Abend verabredete sie sich mit zwei Mädels in einer dort bekannten Bar. Doch in dieser Bar kam sie niemals an. Die Insel auf dem Vulkansee war wunderschön, noch schöner war das alte Batakhaus, in dem sie sich für die nächsten Tage einnistete.

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So saß sie am Abend glücklich auf ihrer Terrasse, las ein wenig in ihrem Buch und entschloss sich, nur noch schnell zum gegenüberliegenden Shop zu laufen , um eine Flasche Wasser und ein Bierchen zu kaufen – gleich danach wollte sie sich aufmachen, um sich mit den beiden Mädels zu treffen. Doch zu diesem Zeitpunkt begann die nächste Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle. Direkt vor dem Shop stand ein junger Einheimischer, den sie schon auf dem Boot kennengelernt hatte und fragte sie, wo sie den hinwollte. Roys Pub war die Antwort, und er schaute sie beinahe entsetzt an. Wo sie denn ihren Roller hätte und ob sie sich wirklich traute, den Weg durch den Dschungel alleine dorthin zu bezwingen. Eigentlich traute sie sich nicht und eigentlich dachte sie auch, die Bar wäre an der Straße und nicht im Dschungel. Er bot freundlich seine Hilfe an und da er ohnehin auf dem Weg dorthin wäre, könnte er sie mitnehmen, und zuvor könnte er noch an einem anderen Shop halten, damit sie dort billigen Wein kaufen kann. Da es auch in Bali völlig normal war, einen Rollerfahrer als Taxifahrer zu benutzen, dachte sich Cat leider nichts dabei und ist hinten aufgestiegen. Die Fahrt an der Küste entlang war traumhaft und der Rollerfahrer war sehr freundlich und interessiert.

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Wo sie denn herkomme, was sie denn mache und ob sie den einen Boyfriend hätte – diese Fragen beantworte sie nun schon seit Wochen und somit sagte sie fleißig ihren Monolog auf. Cat machte sich keinerlei Gedanken und erzählte auch gleich freudig und ausgelassen über ihren immaginären Boyfriend , der ja bald zu Besuch kommen würde. Da sie den Plan des Fahrers somit im Keim erstickte, war das Thema erledigt und die Beiden fuhren weiter munter Richtung Treffpunkt. Als Cat nach einiger Zeit aus der ferne Roys Pub erkennen konnte, freute sie sich sehr – umso entsetzter war sie, als ihr Fahrer gezielt daran vorbei fuhr. Obwohl sie ihn bat, nun doch bitte absteigen zu dürfen, ging die Fahrt weiter – man müsse ja noch den versprochenen Wein kaufen und den gäbe es auf der anderen Seite des Vulkankraters. Tolle Wurst, dachte sich Cat, und überlegte sich, was sie nun machen könnte. Von einem fahrenden Roller wollte sie eigentlich nur ungern springen. In diesem Moment ging es ihr nicht mehr gut und sie machte sich massive Sorgen. Vielleicht war die Sorge auch unbegründet, denn 5 Minuten später kamen die Beiden bei dem besagten Weinshop an. Der Weinshop war aber kein Shop, sondern eine Hütte mitten am Kraterrand, in der viele Einheimische saßen und ausgelassen tranken. Außerdem waren da überall wilde Büffel, die Cat neugierig anschauten.

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Auf den in Plastiktüten abgefüllten Wein hätte sie verzichten können, denn der sah nämlich aus wie eine ordentliche Portion Sperma. Glücklicherweise dauerte der Aufenthalt nur 5 Minuten und schließlich wurde ihr versprochen, dass der nächste Stop nun Roys Pub wäre. Prima, dachte sie sich, und wieder erkannte sie die Bar aus der Ferne, diesmal von der anderen Seite – und wieder fuhren die Beiden daran vorbei. So langsam aber sicher fing ihre Unterlippe an zu zittern, denn wohl war ihr bei diesem lustigen Ausflug schon lange nicht mehr. Warum sie denn wieder nicht anhalten, fragte sie, da antworte er sehr freundlich, dass er auch schöne Bungalows vermieten würde und ob Cat nicht lieber in einen seiner Bungalows ziehen möchte, das Business liefe zur Zeit schlecht und er bräuchte dringend Gäste. Er würde sich so sehr freuen, wenn sie sich die Bungalows eben mal ansehen könnte, sie würde einen Spezialpreis bekommen und wenn sie möchte, könnte sie am nächste Tag umziehen. Also gut, dachte sich Cat, dann eben noch die Bungalows ansehen, früher oder später würde er sie schon zu ihrem Treffpunkt fahren. Die Bungalows waren schön, ein paar junge Gäste gab es dort glücklicherweise auch. Nur noch einmal kurz sollte sie sich doch bitte hier unten am Wasser in diese Hängematte setzen, um diesen wunderbar idyllischen Ausblick über den See zu genießen – danach würden sie aufbrechen.

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So folgte Cat den Anweisungen und genoss in einer schönen Hängematte den Ausblick – und zwar genauso lang, bis sich der Fahrer zu ihr in die Hängematte setze, den Arm um sie legte, in ihrem Haar rumwurstelte und noch mal auf das Thema Boyfriend zu sprechen kam.

Und dann wurde Cat in der Not erfinderisch

So verwandelte sie ihren Boyfriend in ihren Ehemann, mit dem sie seit 5 Jahren glücklich verheiratet ist, dichtete zwei zuckersüße Kinder hinzu und kündigte an, dass ihre Bilderbuchfamilie nicht irgendwann zu Besuch käme, sondern eigentlich just in diesem Moment auf dem Weg zum Lake Toba wären und sich jetzt schon drüber freuten, wenn Cat sie am Hafen empfangen würde. Was war das für ein Geräusch? Doch nicht etwa das nächste Boot, das gleich in den Hafen fährt? Das müssen sie sein! Ob er sie schnell zum Hafen fahren könnte, fragte Cat. Der arme Kerl war eingeschüchtert, verwirrt, entsetzt und durcheinander zu gleich – solch einen emotionalen Ausbruch mit extravaganter Geschichte hatte er wahrscheinlich nur selten mitbekommen. So ergab sich für Cat ein entscheidender Vorteil: Beide stiegen aus der Hängematte aus, sie setzte sich hinten auf den Roller, er fuhr sie zum Hafen und verabschiedete sich freundlich. Es ergab sich aber auch ein entscheidender Nachteil: Von jetzt an saß Cat alleine am Hafen und wartete auf ihre kleine Familie, die seltsamerweise nie ankam. Komisch.

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Für Cat war der Abend gelaufen, so verzichtete sie auf das Pub und lief zurück zu ihrem Hostel, das gleich nebenan lag. Dort verbrachte sie den Abend auf ihrem Balkon und schrieb für ihren Blog alles in einer kleinen Geschichte zusammen, um ihre Leute zu Hause auf dem Laufenden zu halten.

Eigentlich müsste die Geschichte mit einem klassischen „und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie auch noch heute!“ enden, aber das klingt ihr nach den Ereignissen der letzten 48 Stunden ein wenig zu dramatisch. Deswegen endet die Geschichte so:

Und wenn sie nicht am fabelhaften Lake Toba versumpft, dann fährt sie nächste Woche über Berastagi nach Bukit Lawang, um dort Orang Utans zu beobachten! Yeah!

ENDE

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