Über Zweifel auf Reisen und Planänderungen

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Es gab da mal einen Plan und der ging so: Ich hüpfe in Asien von Land zu Land, bis ich irgendwann die Schnauze voll hab, dann flieg ich nach Neuseeland und mach dort weiter. Dort bleibe ich dann und irgendwann im Sommer oder wann auch immer, da fliege ich zurück nach Deutschland. Oder ich versumpfe. So wie alle. Und komme nie wieder nach Hause. So wie alle.

Anscheinend bin ich nicht alle. Ich habe Neuseeland heute Morgen verlassen.

Extrem fleißig war ich die letzten Wochen, was das Reisen betrifft. Sachen habe ich gesehen, wie man sie eigentlich nur aus dem Bilderbuch kennen sollte.

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Von Auckland bin ich mit 3 völlig Fremden in ein Auto gesprungen und hab mir die Northlands und Coromandel angeschaut. Mit einer Seelenverwandten bin ich dann Richtung Rotorura und Lake Taupo getrampt, wo ich eine Zeit lang in einem Garten gearbeitet habe. Das war echt wild. Weil wieder Strand her musste, gings danach mit dem irren Hexenweib an die Ostküste nach Napier.

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Dort wurde Sonne getankt, die für das verregnete Windy Wellington echt nötig war. Danach haben sich die Ereignisse überschlagen. Auf der Südinsel angekommen, habe ich im Hippie-Takaka gegen ein Hysteriker gekämpft und mich über ein paar Vollpfosten geärgert. Mit dem Mietwagen gings von Picton über Christchurch an die Westküste, wo ich durch Regenwälder spaziert bin und vor Riesengletschertn posiert habe.

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Und irgendwann bin ich da rausgekommen, wo ich mir eigenlich einen Job suchen wollte um zu bleiben. Eigentlich.

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Ein fester Wohnplatz, eine Arbeit und ein bisschen normale Routine sollten es sein. Ich hab das auch schon alles so umgesetzt, aber glücklich war ich damit irgendwie nicht. So hab ich gegrübelt und gegrübelt und ehe ich mich versah, bestand meine Routine daraus, dass ich 3 mal die Woche einen doofen Job mache, mich nach der Arbeit im Bett verkrieche und eine Folge Greys Anatomie nach der anderen reinzieh. Solange, bis der nächste Tag anfängt. Oder Tatort. Irgendwie war auf einmal wieder alles so normal. Rausgehen wollte ich irgendwie nicht mehr und auf meinen Blog hatte ich auch keine Lust mehr, obwohl ich doch soviel Herzblut reingesteckt habe. Urplötzlich war ich wieder Nächte lang wach und fand mich nachts um 3 nervös wippend auf der Terrasse wieder. Auf der 1-Grad Terrasse.

Ja, mit dieser Wintersache habe ich mich irgendwie verkalkuliert. Ich wusste ja bereits, dass es bald kalt wird. Aber was kalt in der Praxis tatsächlich bedeutet, hab ich wohl nach monatelanger Abszinenz irgendwie vergessen. Ich bin daheim auch immer so eine Memme, wenn der Winter einbricht. Dann bin ich grundsätzlich die erste, die in ihren 5 Hosen farblos zusammengekauert an der Heizung klebt und sich selbst bemitleidet. Plötzlich hatte ich Thermosocken und Fließjacke statt Flip Flops und Häckeltop an. Ich war mit der Gesamtsituation unzufrieden. Der Winter bricht ein, das Wetter wird schlecht und die Routine gefällt nicht.  Hmm. Beim Skype Telefonat mit der besten Freundin musste die Lage besprochen werden.

Hallo Süße. Du hast wohl Mumps?

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Nein, nur dicke Backen. Ganz toll. Nach außen hin gelacht, im Inneren niedergeschmettert. Anscheinend hatte ich mich körperlich bereits auf den Winter vorbereitet, mental aber wie immer nicht. Ich wollte es mir selbst nicht eingestehen, aber irgendwie wollte ich weg. Irgendwas hatte sich verändert, leicht theatralisch habe ich meine Laptop-Reise-Selfies begutachtet. Eine drastische Entwicklung.

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„Kom schon, das bringen wir wieder in Ordnung“, sagte ich zu meinem zweiten Kinn und setzte mich vor meinen Laptop. Vielleicht wieder in die Sonne fliegen? Ja, macht auf jeden Fall Sinn. Vielleicht einfach wieder dahin, wo es heiß und billig ist? Ja doch, das klingt vernünftig. Und ehe ich mich versah, ist mir aus Versehen der Finger ausgerutscht und ein Symbol blinkte auf.

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Während ich diese Worte schreibe, sitze ich im Flieger. Über Christchurch bin ich heute Morgen ausgeflogen, in Sydney einmal umgestiegen und in 3:36 Stunden komme ich an meinem Zielflughafen an. Falls es der Pilot irgendwie hinkriegt, der Flug ist heute nämlich furchtbar unangenehm. In Gedanken bin ich bei einer Freundin, die sich bei solchen Turbulenzen mit ihren Pillen schon ins Koma geschossen hätte.

Ich werde diese übernatürlich freundlichen Menschen vermissen. Weiß auch nicht, was die hier genommen haben, aber so einem netten Völkchen bin ich glaub ich noch nirgends begegnet. So super besonders schwer wird mir die Umstellung nicht fallen, ich fliege nämlich zurück ins Land des Lächelns.

Einen Plan mache ich nicht mehr, sonst bin ich wieder nur enttäuscht, wenn er nicht aufgeht. Wie es dann weitergeht? Keine Ahnung. Aber eins weiß ich:

Wenn ich am Freitag auf meiner kleinen Insel ankomme, reise ich mir die Klamotten vom Leib, nehme Anlauf und renne ins Meer! Danach kletter ich auf meine Lieblingspalme und lass sie nicht mehr los.

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Hab ich schon erwähnt, dass ich Thailand liebe? Ja. Hier.

Kapkhunkaaa 🙂

 

12 Comments

  • marieke sagt:

    Schade das sich deine pläne so geändert haben, aber das gehört dazu und ist doch das schöne am Reisen, man kann jeden Plan über den Haufen werfen.
    Mal sehen ob mich Thailand auch so begeistert. Bin ab Mai dort 🙂
    Vielleicht trifft man sich ja mal in nem coworkingspace oder am Strand 😉

  • Sina sagt:

    Oh wie toll. Gelacht und gleichzeitig so mitgefühlt (besonders bei dem Winter-Ding und sich nicht wohlfühlen, obwohl man sich ja eigentlich total freuen müsste)!! Es ist super von dir, dass du eine Entscheidung getroffen hast – besser hättest du es nicht machen können. Wir brauchen uns nicht über Wochen oder Monate mit Situationen abfinden, die uns nicht gut tun. Sicher muss man auch manchmal die Arschbacken zusammenkneifen, aber eben auch nicht, wenn man absolut die Wahl hat.

    Ich freue mich auf deine weiteren Erlebnisse!
    Ganz liebe Grüße
    Sina

    • Cat Cat sagt:

      Das stimmt absolut! Sich nicht wohlfühlen obwohl man sich freuen müsste, das ist tatsächlich eine Sache, mit der ich gekämpft habe – schließlich war ich in Neuseeland, da müsste man doch jubelschreiend durch die Gegend hüpfen?! Vielleicht war das einfach nix für mich. Dann hüpfe ich ab jetzt eben jubelschreiend durch Thailand 😉

  • Torsten sagt:

    Willst du nicht mal ein Buch schreiben über deine Reisen und deine verrückten Erfahrungen? Ich würde es blind kaufen ! Toller Schreibstil und Respekt zu deinem Mut.

    🙂

    • Cat Cat sagt:

      Danke 🙂 Diese Buch-Sache schwebt mir seit geraumer Zeit vor, gut zu Wissen, dass ich schon einen Käufer hätte! Vielleicht leg ich bald los!

      LG

  • Tanja sagt:

    Yeah, alles richtig gemacht würde ich sagen. Einfach dem Herzen folgen und in der Kälte sitzen, während es selbst in Deutschland schön warm ist, ist auch echt blöd. High Five für tolle Thailand Tage!

    Und plansch für mich ein bisschen im Meer rum!

    Alles Liebe
    Tanja

  • Liebe Cat,

    mal wieder musste ich schmunzeln, während ich deinen Post gelesen habe. Mitfühlen kann ich auch allemal. Ich finde es toll, dass du selbst erkennst, wann es dir gut geht und dann aber auch die Initative ergreifst und etwas für dein Wohlbefinden tust. Weiter so! Und High-Five auf Thailand! 🙂

    Liebe Grüsse,

    Doris
    Mrs Globalicious

  • Paleica sagt:

    genial, das letzte foto. manchmal denk ich mir, wenn ich mehr mut hätte, dann sollte ich das auch machen.

  • Francis sagt:

    Wir haben uns das Pläne-Schmieden schon noch ein paar Wochen auf unserer Weltreise abgewöhnt. Bringt ja nichts, wenn man eine Route durchboxt und nicht auf die Situation vor Ort eingehen kann. Oft bleiben wir viel länger in einer Stadt, als wir uns vorgenommen hatten. Manchmal wollen wir aber auch so schnell wie möglich weiter. Genau das ist ja das coole bei so einer Reise. Du bist flexibel und kannst immer deinen Plan ändern!

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