Sonntags-Andacht

DSC_0494

Endlich Sonntag. Eine lächerliche Aussage aus meinem Mund, denn bis vor wenigen Minuten wusste ich noch nicht mal, dass heute überhaupt Sonntag ist. Hätte ich das gewusst, hätte ich gestern nicht gearbeitet, das wird dann wohl der Samstag gewesen sein und da hat man ja eigentlich auch frei. Der Tag der Ruhe, auch für mich. Ich bin übermüdet, hab nur drei Stunden geschlafen, bin ein bisschen erledigt von den letzten Tagen und bewegen will ich mich auch nicht. Hab sogar eine Jogginghose an. Eine kurze Jogginghose, denn wir messen selbst morgens um neun 28 Grad. Jackpot.

DSC_0494

Der klassische Sonntags-Hangover, fast wie daheim. Nur bin ich nicht zu Hause, sondern im Paradies. Manchmal wach ich frühs auf und frag mich, ob ich nun tot bin und das der Himmel ist. Heute mach ich nix, gar nix. Außer am wohl schönsten Platz auf Erden zu sitzen und ein bisschen in die Tasten hauen. Das kam dann wohl ein bisschen kurz in den letzten drei Wochen. Sorry. Soviel zu erzählen und so wenig Zeit. Drei Wochen bin ich unterwegs und es ist schon jetzt mehr passiert, als im kompletten letzten halben Jahr.

Die Ankunft in Thailand

Das war ja krass. Ist für mich mittlerweile irgendwie, wie nach Hause zu kommen. Ich mag das, wenn ich aus dem Flieger steige und mich eine Hitzewelle zu Boden reißt. So schön warm hier. Ich finde es herrlich, dass ich immer noch nicht kapiert habe, dass Singha das böse und Chang das gute Bier ist. Memo an mich selbst: Mit drei Singha kann man sich ordentlich den nächsten Tag versauen.

Foto am 16.12.15 um 20.12 #2

Ich freue mich, dass ich nicht mehr auf die Touri-Bus-Angebote reinfalle und meine Locations mit Moped und Local-Bus wechsle. Da hat man definitiv den meisten Spaß und die witzigsten Erfahrungen. Ich ärgere mich, dass ich mein Essen immer noch „a little bit spicy“ bestelle. A little bit spicy ist in Thailand die Ausgeburt der Hölle. Kennt ihr das, wenn ihr auf ein Stück thailändisches Chili beißt und euch ohne jeglicher Vorwarnung der Rotz aus der Nase schießt? Die Ohren zum Jucken anfangen und das nahegelegene Stimmengewirr in weite Ferne rückt? Wenn ihr nicht mehr wisst, ob ihr nun das allseitsbekannte Glas Milch hinterher schütten sollt, das den sicheren Durchfall bedeutet, oder ob ihr den elendigen Schmerzen einfach so erliegen sollt? Also ich kenn das. Jedes Jahr die gleiche Scheiße. Vielleicht bin ich nächstes Mal schlauer.

Paul

Jede Reise beginnt mit Paul. Wer seit dem Auftakt meines Blogs im Oktober 2014 dabei ist, kann sich vielleicht erinnern: Ich war auf Bali und bin einer neuen Bekanntschaft in die Arme gelaufen, die ich fortan nicht mehr losbekommen habe: Es war der völlig weltfremde Durchfall-Paul, der mich jeden Abend über den Zustand seines Darmtraktes unterrichtete und auf eine gewisse Art und Weise komisch war. Paul wollte kein Asia-Food, Paul wollte nicht Roller fahren, Paul hatte im tiefen Wasser Angst. Er war schüchtern, ängstlich, introvertiert und wir beide passten somit folgendermaßen zusammen: Gar nicht. 14 Monate später fühle ich mich wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. „Hi, ich bin Paul, hast du vielleicht Lust, einen Bananenshake mit mir trinken zu gehen?“ Hätte ich nein gesagt, hätte ich in meinen ersten Tagen meine Ruhe gehabt. Aber wenn schon jemand so nett fragt, dann sagt man auch nicht nein. Paul war zwar nicht gar so introvertiert wie der aus dem letzten Jahr, dafür hatte Paul einen Bananen-Schaden.

DSC_0501

DSC_0499

Jeden Abend saß Paul auf meiner Terasse und hat sich über das Leben im Allgemeinen und Seines im Besonderen beschwert. Mit Bananen, die ich essen sollte. Oder mit Bananeneis. Oder Bananensalat. Oder frittierten Bananen. Am letzten Tag vor seiner Abreise hat er mir ein kleines Gefäß mitgebracht, ein Holzpenis auf einer Schale. Unangenehm. Ein Phallussympol? „Wir haben uns so gut verstanden und so viele Bananen zusammen gegessen, da dachte ich, ich bring das hier für dich mit. Sieht irgendwie aus wie ne Banane, findste nicht? Doch, klar. What else? Ja, das war der Bananen-Paul. Den schick ich mal zum Durchfall-Paul, Bananen stopfen, vielleicht kann der eine dem anderen helfen.

X-Mas mit Mama und Papa. Und Günter

„Scheiß drauf, wir verpissen uns alle zu Weihnachten und schenken uns nix, dann hat wenigstens niemand irgendwelchen Affenzirkus und schön warm wird es auch“ – ein exzellenter Plan. Ich kann mich nicht wirklich dran erinnern, wann ich das letzte Mal Weihnachten zu Hause war. Will ich auch nicht. Einzig und allein Oma wäre es wert, die immer ordentlich auftischt und uns bis zum Erbrechen mästet. Ein bisschen tut es mir leid, dass immer alle daheim in der Kälte gammeln, während ich am Weihnachtsmorgen mit meinen nackigen Füßen durch den Sand schlender und mir manchmal für das Weihnachtsbild eine Kack-Mütze aufsetze. Dieses Jahr war es Koh Phayam, dieses Jahr war es mit Mama und Papa, dieses Jahr war es so unweihnachtlich, wie noch nie. Und somit waren dieses Jahr alle glücklich. Dieses Jahr gab es Scampis und viel Bier, eine Rastabar und ein Gruppenbild, für das wir extra 40 Bier getrunken haben.

DSC_0635

Und dann war da noch Günter. Günter war herrlich. Ein Freund meiner Eltern. Es ist mir ein Rätsel, wie sich ein Mensch so dermaßen über thailändische Gepflogenheiten beschweren kann wie er. Günter fühlte sich die ganze Reise gestraft fürs Leben. Wo der Befürworter des alternativen Lifestyles in einem veganem Restaurant das Nonplusultra findet, findet Günter folgendes: Nix. Keinen Sitzplatz, denn Sitzkissen sind schlecht fürs Kreuz. Kein Essen, denn Tofu ist Gummi. Asiatische Toiletten sind die Ausgeburt der Hölle, Garküchen sind Gammelküchen und eine eigene Fahrt mit dem Roller ist der sichere Weg in den Tod. Eine Wanderung durch den Dschungel ist zum Kotzen und fehlende Liegen auch. Dennoch ist Günter mein Held, denn zum einen hat er mich vor dem sicheren Erstickungstod gerettet, in dem er mein pervers scharfes Essen aufgegessen hat und mir seine lang ersehnten Spaghetti Bolo überlassen hat. Außerdem konnte ich dank Günther mindestens drei Mal täglich richtig herzlich lachen. Danke, Günter! Und danke, Gitti, lustige Frau von Günter. Du warst tapferer. Sogar Tiere hast du angefasst! Ich ziehe den Hut!

Bildschirmfoto 2016-01-10 um 21.54.16

P1010299

Der Schlangenbiss

Allein das Eintippen der Zwischenüberschrift verursacht Würgereiz. Acht Jahre Thailand und alles geht gut. Eine Woche auf einer rustikalen Insel im Zelt und der Supergau nimmt seinen Lauf.

DSC_0039

Es war dunkel. Nur mal eben kurz wollte ich in mein Zelt hüpfen, vollgekleckertes T-Shirt wechseln, Licht an, Licht aus, Abmarsch. Und dann ging alles ganz schnell. Just in dem Moment, wo ich mit dem Fuß auf dem Boden aufgetreten bin, war Zugriff. Ein Angreifer, schwarz wie die Nacht oder einfach gar nicht erkennbar. Schmerz. Blut. Zwei Einstiche. Schnappatmung. Baldige Ohnmacht. Ich habe reagiert, wie es mir sinnvoll erschien. Ich bin gerannt, gerannt wie ein Wiesel, vielleicht kann man das Bein noch retten. Mich. Mein Leben. Um keinem Herzinfarkt zu erliegen, habe ich mir auf meiner Flucht eingeredet, dass es keine Schlange war. „Das war bestimmt eine Schlange!“ Die Worte der Hostelbesitzerin hallten in meinem Ohr, während bereits die ersten Horrorvorstellungen in meinem Kopf umherschwirrten. Ich habe meine Beine beobachtet und alles war so real. Mein Gedankengang war dieser hier: Zuerst wird es dick. Dann blau. Dann platz die Haut auf. Es fängt an zu nesseln und zu eitern. Dann werde ich bestimmt aufs Festland gebracht. Man braucht ja Gegengift. In der Zwischenzeit wird mein Bein absterben. Tschüss, du wunderschönes Bein.

DSC_0346

Weil wir es nicht abgebunden haben, wird sich das Gift im ganzen Körper verteilen, bis zum Hirn hoch. Am Festland wird man mir das Bein amputieren. Und aus Versehen noch einen Arm. Das Hirn wird für immer und ewig beschädigt bleiben. Nun. Gar so schlimm war es nicht. Wir wissen bis heute nicht, was es genau war, das mich da gebissen hat. So freue ich mich, an dieser Stelle verkünden zu dürfen: Alles noch dran. Nur ob ich im Kopf einen Schaden davon getragen habe, kann ich nicht mit Sicherheit ausschließen.

Foto am 15.01.15 um 08.59 #2

Silvester

Jeder kaut, doch keiner isst. Entweder Psytrance-Party oder Modelbusiness. Es sollte ein ganzes, geiles Jahr werden. Kein ganzes halbes Jahr wie bei Jojo Moyes. Das is doch nix. Nix halbes, nix ganzes. Es ist mir gelungen, mein Jahr da zu beenden, wo ich es angefangen habe. Auf einem fetten Festival in den Tiefen von Koh Taos Dschungel. Wie im letzten Jahr ist es mir auch gelungen, wildfremde Menschen herzuschleppen und mit diesen ins neue Jahr zu stampfen. Und somit habe ich mein Jahr angefangen, wie ein anständiges Jahr anfangen muss: Völlig im Arsch, komplett durchfeiert und durchwegs glücklich.

IMG_5318

Neuer Job, neues Glück.

Ja, ich bin verdammt fleißig seit geraumer Zeit. Das tut gut. Das is auch der Grund, warum es auf dem Blog so unfassbar ruhig ist. In Khao Lak habe ich meinen Test-Strand erhoben. Auf Koh Phayam dann 6 weitere Strände. Wisst ihr was? Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so gerne frühs aufgestanden, um zu arbeiten. Es ist herrlich.

DSCN0177

Dazu muss ich mal ein paar extra Takte schreiben. Auf Koh Phayam hatte ich noch einen Kameramann. Mein Papa, der am liebsten da geblieben wäre, um mich für den Rest der Reise zu unterstützen. Ich hab mich schon gefragt, wie das alles funktionieren soll, wenn ich fortan alleine filmen soll. Doch nun habe ich Max, Alex und Hans.

DSC_0508

Ihr könnt euch denken, dass es dazu einen gesonderten Blogpost geben wird. Geben muss.

Hier machen wir für heute mal Schluss. Ich bin nun außerplanmäßig viel zu früh auf Koh Phangan, wo ich auch erstmal bleiben werde. Hier gehöre ich hin. Mein Sonntag neigt sich dem Ende und morgen geb ich wieder Vollgas. Morgen wird getaucht und Boot gefahren. Man muss ja auch erstmal recherchieren.

Tschüss 🙂

3 Comments

  • Corinna sagt:

    Liebste Cat,

    den Schaden im Kopf hattest Du auch schon vorher – Macht nichts. Ich liebe Dich trotzdem (oder gerade deshalb!)

    Danke für die vielen Lacher – wieder einmal!

    Ich glaube ich muss Dir ganz schnell nach Thailand folgen… und dann drehen wir lustige Videos zusammen! 😀 Bis wann biste noch da? Vor April wird das wohl nüscht bei mir! 🙁

    Liebste Grüße,
    Corinna

    • Cat Cat sagt:

      Gemeinsame Videos wären der Oberknaller, da schieß ich mich ja schon weg, wenn ich nur dran denk 😉 Hmm, kein Plan wie lange noch. April is mir auf jeden Fall zu heiß in Thailand, da will ich dann irgendwo anders sein 🙂

      Ganz liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*