An die Mutter einer Reisenden

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Liebe Mama.

Also eigentlich reiss ich mir jedes Jahr einen Arm und ein Bein aus, um irgendwie am Muttertag präsent zu sein – selbst wenn du eigentlich gar keinen Wert drauf legst. Aber so ganz glaub ich das ja nicht. Ich finde, jede Mutter sollte zum Muttertag besucht werden, verdient haben es alle – du aber ganz besonders 🙂 Sogar nach 10 Tagen Bergkirchweih bin ich mal in den Zug gestolpert, daheim aufgeschlagen, habe in meinem durchfeierten Dirndl ein bisschen auf eurer Terrasse geschielt und mit Sicherheit instabil ausgesehen – aber immerhin war ich da. Diesmal wird’s schwierig, mal schnell daheim vorbei hüpfen funktioniert dieses Jahr irgendwie nicht, weil ich mal wieder irgendwo bin. Daran bist du aber selbst Schuld, was du vermutlich auch weißt.

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Wenns nach dir gegangen wäre, hättest du mich gleich nach dem Abi in irgendein Flugzeug gezerrt. Nach Japan hätte ich fliegen soll, monatelang, ein Praktikum und ein bisschen rumreisen und das alles ganz allein – nein danke. Irgendwie war das damals nix für mich, da hab ich ja schon nen Schweißausbruch bekommen, als du es nur vorgeschlagen hast. Keine Sau kriegt mich so lang so weit weg, auf so einen Käse hatte ich irgendwie keine Lust. Ein halbes Jahr später wurde ich dann aber doch in den Flieger gesteckt, 2 Monate Costa Rica sollten es werden, ein Sprachkurs und ein bisschen Nationalparkarbeit – und dann hatten wir den Salat. Ich hatte Blut geleckt.

Das war vor 8 Jahren. Seitdem gab es kein Jahr, in dem ich nicht mindestens eine Fernreise gemacht hab. Seitdem stecke ich all mein Erspartes ins Reisen. Seitdem plane ich das ganze Jahr irgendwelche Urlaube und plane auf den Rückflügen meist schon den Nächsten.

„Hallo Cathrin, ich hab hier grad die Reise und Preise liegen, die Perhentian Islands wären wohl nix? Kannst ja mal vorsichtshalber nach Flügen schauen, nur mal so mit einem Auge. Wie wärs mit Mai?“ Ja, wegen dir war ich schon an Orten, die sonst wirklich keine Sau kennt, und jedes Mal war es der Wahnsinn.

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Einige andere Orte wiederrum musste ich wegen dir auslassen, so war ich noch nicht auf den Philippinen – da gäbe es nämlich Piraten und dann ginge der ganze Urlaub in die Hose. 5 Jahre hab ich mich dran gehalten, dann hast du deine Illusionen vergessen und ich hab gebucht – hingeschafft hab ichs aber letztendlich doch nicht. Da wirst du dir auch beruhigt ins Fäustchen gelacht haben.

Ganz am Anfang war ich noch ziemlich organisiert bei meinen Reisen, da wurden Hostels gebucht und Flüge im voraus ausgewählt. Heute ist das anders, heute zerre ich meinen Rucksack völlig verpeilt durch die verstecktesten Ecken und es gibt fast jeden Tag eine neue Überraschung. Deswegen gibt es ja auch den Blog 🙂

Sonderlich besorgt bist du glaub ich nicht, wenn ich hier alleine durch die Gegend reise. Gut, es gab da ein paar Vorfälle wie in Sumatra, Laos oder Neuseeland, bin ja aber trotzdem immer ganz gut durchgekommen.  Erst im Januar konntet ihr euch davon überzeugen, dass ich das alles ganz prima hinkrieg und auch keinen großartigen Unfug treibe.

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Und für die Zeit zwischendrin gibt’s ja immermal das Skype. Ob du nach diesen Gesprächen allerdings beruhigt oder eher aufgewühlt bist, das weiß ich nicht. Vermutlich zweiteres.

„Mir geht’s prima, das Wetter ist toll, die Leute sind lustig und das Essen schmeckt gut. Ach, und meine beiden Kreditkarten wurden geklaut und ich hock mittellos in Thailand. BÄM.

Die ganz besonders ulkigen Dinge immer am Schluss nennen, das ist meine persönliche psychologische Telefontaktik, die ich schon seit Jahren anwende. Das weißt du eigentlich, irgendeine lustige Anekdote gibt es meistens wenn ich anrufe.

Aber manchmal, da hab ich den Eindruck, als würdest du doch besorgt zu Hause sitzen und dir vielleicht wünschen , dass ich mal Heim kom. Vor kurzem war sowas, als ich mit einer thailändischen Fähre über das süchinesische Meer schippern wollte. „Also diese Boote gehen ja ständig unter, ich hab das erst gelesen in den Nachrichten. Schau bitte, dass du vorne rechts aussen sitzt, dann kommst noch rechtzeitig runter falls was ist! Safety first 😉

Bald werd ich nach Hause kommen, auch wenn dich die Idee, von Bangkok aus direkt zu fliegen, nicht sonderlich überzeugt hat. „Na dann könntest ja aber eigentlich auch noch schnell nach Goa? Oder Sri Lanka? Oder irgendwas? Ja, könnte ich schon, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Zeit reif ist. Und der Geldbeutel leer.

Bald werd ich wieder in meiner Wohnung sitzen, wahrscheinlich wird es regnen, wahrscheinlich tut sich nicht sofort ein neuer Job auf und wahrscheinlich gibt es irgendwelchen Männer-Gossip  – dann werde ich warten bis du anrufst und sagst:

„Ecuador soll ja auch schön sein. Südamerika wär doch cool fürs nächste Mal!

Ja, das wär tatsächlich sehr cool. Gibt es ein nächstes Mal? Ich glaub ja irgendwie schon 🙂

Liebe Mama,

ich wünsch dir einen schönen Muttertag, den du hoffentlich gemütlich und entspannt auf dem Sofa verbingen wirst. Ich vermute mal schon, man munkelt nämlich, ihr hättet es auf dem AC/DC Konzert am Freitag ganz schön scheppern lassen;)

Deine Tochter

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P.S: Wenn ich heimkom, kannst du dann vielleicht Spargel mit Sause H. und Schweinelende im Speckmantel machen? Und am nächsten Tag eine Brotzeit mit Pfefferbeißer, Wurstsalat, Senf, saueren Gurken und Käse und Brot. Das wär der Knaller!

 

10 Comments

  • Sieglinde Voit sagt:

    Na, da wird sie sich aber freuen! Du machst das ganz toll, liebe Enkeltochter! Ich nehme an, dass Deine Mama schon ein paar Tropfen in den Augen hat. Morgen Mittag sind wir alle bei uns zum Grillen, also schick´ein paar Sonnenstrahlen!
    Oma

    • Cat Cat sagt:

      Ich hoffe, die Sonnenstrahlen sind angekommen – du hättest im Gegenzug aber auch mal ein Steak rüber schicken können 😉

  • Stefan El Jorge sagt:

    Super geschrieben – wieder einmal!
    Deine Mama wird sich sicher sehr darüber freuen :-)))

  • Laur sagt:

    Schöner Post!
    P.S.: Traditionelle Heimkehrkost ist ein Must! Bei uns gibt’s immer Frühstück und danach Grießklöschensuppe – egal,ob nach Indien, Thailand oder Ungarn 😛 Und ich glaub, die Mama und die Oma kochen das immer mit extra viel Liebe, während ich grad im Flieger hocke – es schmeckt nämlich danach immer extra gut!
    Liebe Grüße!

  • Sieglinde Voit sagt:

    Grüße von meiner Tochter (Deiner Mama) !!!! Danke für den gelungenen Muttertag ! Vergiss nicht, dass zu Weihnachten eine Reggae-Bar auf Jamaika auf dem Plan steht (mit Mama und Papa) …..

  • Sieglinde Voit sagt:

    Deine Mama war superglücklich! Und Oma auch, glaube ich sofort, dass Du diesen Termin nicht vergisst! 🙂

  • Sieglinde Voit sagt:

    Übrigens – die Sonnenstrahlen sind tatsächlich angekommen!

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